Ausweichstrecken

Vorhandene und potentielle Ausweichstrecken

Die Eisenbahnstrecken im Rheintal belasten ganz erheblich die Siedlungsräume. Das Wohnen wird insbesondere durch die Lärmbelastungen und Erschütterungen unerträglich. Die Gesundheit der Bewohner wird nachhaltig beeinträchtigt. Investitionen in Wohnhäuser und Einrichtungen des Tourismus werden kaum mehr getätigt. Der Verfall hat schon begonnen und wird sich weiter fortsetzen. Wer es wirtschaftlich ermöglichen kann, zieht aus den historisch gewachsenen Dörfern und Städten im romantischen Rheintal fort.

Der Eisenbahnfernverkehr für Personenzüge ist weitgehend durch die im Jahr 2002 erfolgte Inbetriebnahme der 180 km langen Strecke Köln – Rhein/Main aus dem Rheintal herausgenommen worden. Die Hochgeschwindigkeitszüge (ICE3-Züge) befahren seit 2002 die Strecke über den Westerwald und den Taunus. Die schweren und Lärm verursachenden Güterzüge können die Höhenunterschiede über das Gebirge mit Steigungen bis zu 40 ‰ (40 m pro km) nicht überwinden und fahren weiterhin auf der historischen Rheinstrecke.

Als mögliche Ausweichstrecken wurden von politisch interessierten Personen bzw. Institutionen immer mal wieder alternative Trassen als Neubau- oder Ausbaustecken für den Güterzugverkehr ins Gespräch gebracht:

1. Neubau-Trasse entlang der Autobahn A3 über Westerwald und Taunus,
2. Neubau-Trasse entlang der Autobahn A 61 über die Eifel und den Hunsrück
3. Ausbau der „Eifelstrecke“ Köln-Bitburg-Trier-Saarbrücken-Kaiserslautern-Mannheim.
4. Ausbau der Strecke Siegtal-Dilltal-Wetterau bzw. der Ruhr-Sieg-Strecke

Bei den vorgeschlagenen Ausweichstrecken handelt es sich um „Bergbahnen“, die über die Höhen des Rheinischen Schiefergebirges führen, im Gegensatz zur vorhandenen Strecke der „Flachbahn“ im Rheintal. Die „Bergbahnen“ und ihre Trassen sollen mit ihren Höhen- und Längenverhältnissen mit der neuen „Flachbahn“ Westerwald-Taunus-Tunnel anhand wesentlicher Kriterien charakterisiert und bewertet werden.

Ausweichstrecke entlang der A3

Im Zuge der damaligen Planung der Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt entlang der A3 für den Personenfernverkehr ist auch die Frage der Nutzung als Güterverkehrsstrecke betrachtet worden. Wegen der erheblichen Längsneigungen bzw. Steigungen musste diese Trasse, die über die Höhen der rechtsrheinischen Mittelgebirge führt, für den Güterverkehr als nicht geeignet ausgeschlossen werden. Die Strecke wurde ausschließlich für den Verkehr mit leistungsfähigen schnellen Personenzügen ausgelegt, die trotz der zahlreichen Brücken und Tunnel noch erhebliche Steigungen überwinden müssen.

Höhen- und Längenentwicklung von drei markanten Ausweichstrecken

Ausweichstrecke entlang der A61

Der Entwurf einer Trasse entlang der Autobahn A61 über die Hochflächen der linksrheinischen Mittelgebirge von Eifel und Hunsrück wird ebenso mit den Problemen der Überwindung beachtlicher Steigungen konfrontiert sein. Von der Rheinebene ausgehend müssen Höhenunterschiede von bis zu 200 m überwunden werden. Für Güterzüge ist diese Gebirgsstrecke nicht attraktiv, solange es Trassenalternativen mit geringeren Höhenunterschieden gibt.

Ausweichstrecke Eifel-Pfälzer Wald „Eifelstrecke“

Güterzüge könnten grundsätzlich die bereits vorhandene Trasse von Köln (NN+50 m) über Gerolstein (NN+360 m), Trier (NN+140 m), Saarbrücken und Kaiserslautern (NN+280 m) nach Mannheim (NN+100 m) nutzen. Diese Trasse ist allerdings nur teilweise elektrifiziert und nur teilweise zweispurig. Wegen der beträchtlichen Höhenunterschiede und der damit verbundenen Steigungen sowie der zahlreichen engen Kurven wäre selbst nach einem Ausbau nur eine geringe Zuggeschwindigkeit möglich. Die Fahrstrecke ist erheblich länger als durch das Rheintal.

Ausweichstrecke Ruhr-Sieg-Strecke bzw. Siegtal-Dilltal-Wetterau

Güterzüge können bereits jetzt von Köln durch das Siegtal über Siegen (NN+240 m), Rudersdorf (NN+360 m), Gießen (NN+170 m) und Frankfurt (NN+100 m) nach Mannheim gelangen. Die Trasse ist überwiegend zweispurig und elektrifiziert. Allerdings gibt es im Siegtal drei eingleisige Streckenabschnitte, die schon heute eine Erweiterung des Personenverkehrs verhindern: Siegen – Siegen Ost (km 106,2 – 107,0, eingleisiger Tunnel im Stadtgebiet); Schladern/Sieg – Rosbach/Sieg (km 58,3 – ca. 60,5); Blankenberg/Sieg – Merten/Sieg (km 35,3 – 38,4). Außerdem müssten zahlreiche Tunnel der Strecke im Lichtraumprofil erweitert werden, damit Containerzüge die Strecke passieren können.

Bei weiträumiger Umfahrung des Mittelrheintals ist eine Befahrung über Dortmund, Hagen und über die sogenannte Ruhr-Sieg-Strecke nach Siegen und weiter durch das Dilltal nach Gießen und die Wetterau nach Frankfurt möglich. Auch hier gilt die Aussage, das die Strecke deutlich länger ist als durch das Rheintal, erhebliche Steigungen zu überwinden hat und zahlreiche sehr enge Kurven aufweist. Außerdem wären auf dieser Strecke mehrere Tunnel den heutigen technischen Standards durch Ausbau oder Neubau anzupassen.